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"Ich möchte meine Heimat anderen Menschen nahe bringen"
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Der Thüringer Maler Baldur Schönfelder stellt Arbeiten in Florenz aus
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Die Einladung aus Florenz flatterte vor einem Jahr ins Haus. Anfangs wagte Baldur Schönfelder, in der Südthüringer Stadt Neuhaus am Rennweg beheimatet, seinen Augen nicht zu trauen und glaubte zunächst an einen Irrtum. „Ich zweifelte schon, ob dieses Schreiben an mich wahrhaftig sein könnte,“ erinnert er sich heute an die ersten aufregenden Tage, als zunehmend gewisser wurde, dass die Veranstalter der „Biennale Internazionale Dell’Arte Contemporanea“ ihn ausgewählt hatten und somit einluden, einige seiner Arbeiten vom 1. bis 9. Dezember 2007 in Florenz auszustellen. „Nach der Prüfung Ihrer künstlerischen Produktion via Internet hat sich das Interne Komitee der Ausstellung ausdrücklich für Ihre Teilnahme ausgesprochen,“ so ist unter anderem der Einladung aus Italien zu entnehmen. „Je umfassender ich mich über diese Ausstellung informierte, desto klarer wurden mir zwei Überlegungen,“ sagt mit heutigem Abstand der 72jährige Maler. Einerseits begann ich zu zweifeln, ob meine Arbeiten überhaupt gut genug wären, um vor einem internationalen Publikum nebst erfahrenen Fachleuten überhaupt Bestand haben zu können,“ so Baldur Schönfelder. Zum anderen sei ihm selbst redend bewusst, dass eine solche Chance bisher eigentlich nur ein Traum gewesen wäre, der nun Wirklichkeit werden sollte. „Und somit überwog natürlich meine Entscheidung, diese einmalige Gelegenheit sozusagen beim Schopf zu packen“, fasste er schließlich den Mut, nicht nur entsprechende Werke vorzubereiten und auszuwählen, sondern sich auch gedanklich an die Größenordnung dieser internationalen Ausstellung zu gewöhnen. Indessen sind 12 seiner Arbeiten auf dem Weg nach Florenz, und Ende dieses Monats werden Marianna und Baldur Schönfelder eine für sie einmalige Reise antreten, beide voller gespannter Erwartung, Neugier, großer Hoffnung und beide einfach glücklich. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung.
Absolut der Malerei verschrieben hat sich der 1935 in Ernstthal geborene Thüringer vor reichlich zwanzig Jahren. Ausgebrochen aus seiner Familientradition der Glasbläserei wird er Kunsterzieher, ein zweites Studium hat die Musik zum Inhalt. Doch überwiegen wird bei aller Hingabe zum Chorgesang, die ihm als Chorleiter viele Erfolge einbringt, immer die Malerei. Gemalt hat er schon als Kind. Das notwendige Handwerk bekommt er während seiner Ausbildung mit auf den Weg, seine Motive und die Art und Weise, diese in Bilder umzusetzen, sind bis heute immer wieder gegenwärtig. Heimatliche Impressionen wie die typischen, an die Hänge gepressten kleinen Schieferhäuser, winters und sommers, finden ihre Darstellung. Bunte Blumenwiesen, der Schäfer mit seiner Herde, Landschaften in ihrer jahreszeitlichen Vielfalt gehören zum immer wieder kehrenden Inventar seiner Arbeiten. Doch bei aller Idylle, die sich vermuten ließe, ist Baldur Schönfelder stets ein politischer Mensch, so dass eine Anzahl von Arbeiten entstanden sind, die sich mit persönlichen Erlebnissen des Künstlers, dem aktuellen Tagesgeschehen beschäftigen, die seine Betroffenheit zum Ausdruck bringen. Dazu zählt zum Beispiel die 2003 entstandene Arbeit „Friedenssehnsucht“ oder das „Bäumesterben“, der Krieg im Irak ist Thema eines Werkes und andere. „Ich will nicht, was unser Dasein, den Umgang mit der Natur und der Umwelt betrifft, nur unbeteiligt zusehen,“ fühlt er sich auch zu solchen Arbeiten veranlasst. Baldur Schönfelder weiß nach jahrzehntelanger Erfahrung, dass er auch mit diesen Motiven ein Echo bei den Betrachtern findet. „Meine Bilder mögen bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Aussagen möglichst auf einfache Weise nachvollziehbar sein.“
Er ist ein Autodidakt und hatte nie vor, ein Profi zu werden. „Das, was ich kann, weiß ich, akzeptiere aber auch meine künstlerischen Grenzen.“ Kenner ordnen ihn in das Genre der naiven Malerei ein. Er selbst sei nie einem bestimmten Trend gefolgt. „Ich male schlicht und einfach meine Impressionen und Vorstellungen, so, wie es meinem Naturell und meiner Begabung entspricht,“ bekennt er ohne Umschweife. Doch für den Betrachter dürfte gerade diese Auffassung des Künstlers, seine Ursprünglichkeit der Malerei, die scheinbar nebensächlichen Motive, die für ihn die Schönheit des Augenblicks zeigen, den besonderen Reiz seiner Darstellung ausmachen. Seine Bilder sind liebenswert, weil sie durch ihre Poesie gefangen nehmen, in ihrer leuchtenden Farbigkeit den Betrachter fröhlich stimmen, weil sie gemalt sind von einem Menschen, der seiner Thüringer Heimat tief verbunden ist und diese herzliche, lebenslange Beziehung in seiner Kunst zum Ausdruck bringt.
Vor nunmehr sechs Jahren haben die Vereinten Nationen die Florenzer Kunstausstellung als offiziellen Partner in ihrem Programm „Dialog zwischen den Kulturen“ ins Leben gerufen. Zu bekannten Ausstellern gehörten 2005 beispielsweise unter anderem Christo und Jeanne-Claude sowie Richard Anuszjewicz. Im vergangenen Jahr zeigten 775 Künstler aus 73 Ländern ihre Arbeiten. „Ich hoffe, mit meinen Arbeiten für Florenz die richtige Auswahl getroffen zu haben, um mein Land und einen kleinen, winzig kleinen Teil seiner Kunst und Kultur anderen Menschen nahe zu bringen“, wird sich Baldur Schönfelder mit Gattin Marianne Ende dieses Monats auf die Reise in die jahrhundertealte italienische Kunstmetropole begeben.
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(Anm.: Baldur Schönfelder war bisher auf mehr als 50 Ausstellungen, zum Teil auch Personalausstellungen, vertreten, darunter in Österreich und der Tschechischen Republik. Zwei seiner Arbeiten, ein Sommer- und ein Wintermotiv, nahm ein Rennsteig-Wanderer mit in seine afrikanische Heimat Namibia),
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Monika Marschall
Dipl.-Journalistin
Weimar/Deutschland
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